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Memory-Effekt und Erhaltungsladung – was gilt für welchen Akku?
Viele Akku-Regeln stammen aus der NiCd-Zeit und werden fälschlich auf LiPo übertragen. Echter Memory-Effekt, Spannungsdepression und Erhaltungsladung müssen nach Zellchemie getrennt betrachtet werden.
Der berühmte Memory-Effekt
Der klassische Memory-Effekt ist vor allem mit NiCd verbunden. Unter bestimmten wiederkehrenden Teilzyklen kann sich das Spannungsverhalten verändern, sodass der Akku scheinbar den vorher genutzten Bereich „merkt“. In der Praxis wurde allerdings vieles, was als Memory bezeichnet wurde, auch durch Überladung, Alterung oder Spannungsdepression verursacht.
NiMH ist nicht NiCd
NiMH kann ebenfalls Spannungsdepression und Kapazitätsprobleme zeigen, gilt aber deutlich weniger als klassischer Memory-Kandidat. Regelmäßiges absichtliches Tiefentladen ist keine allgemeine Pflegeempfehlung – tiefe Entladung kann Zellen einer Reihenschaltung sogar umpolen, wenn eine schwächere Zelle zuerst leer wird.
LiPo und Li-Ion haben keinen Memory-Effekt
Lithium-Ionen-Systeme müssen nicht vor jedem Laden leer gefahren werden. Im Gegenteil: unnötige tiefe Zyklen belasten die Zellen. Teilweises Nachladen ist völlig normal. Ein „Trainieren“ durch regelmäßiges vollständiges Entladen ist bei LiPo/Li-Ion nicht erforderlich.
Was ist Erhaltungsladung?
Erhaltungsladung („Trickle Charge“) bedeutet, nach der eigentlichen Vollladung einen kleinen Strom weiterzugeben, um Selbstentladung auszugleichen. Nickel-Cadmium verträgt geringe Erhaltungsströme vergleichsweise gut; NiMH deutlich weniger und nur mit passend niedrigerem Strom bzw. geeigneter Ladeelektronik.
Warum Lithium keine klassische Erhaltungsladung bekommt
Li-Ion und LiPo können Überladung nicht aufnehmen. Nach Erreichen der Ladeschlussspannung und Abfall des Ladestroms wird der Ladezyklus beendet. Systeme, die einen einsatzbereiten Lithium-Akku am Ladegerät halten, arbeiten gegebenenfalls mit kontrollierten Nachladezyklen – nicht mit einem dauerhaften klassischen Trickle-Strom.
Die richtige Regel lautet also nicht „Akkus immer leer machen“
Die richtige Regel lautet: Pflege nach Zellchemie. Lithium lieber nicht tief entladen und für längere Lagerung teilgeladen aufbewahren. Nickel-Akkus mit dem dafür vorgesehenen Ladeverfahren betreiben. Herstellerangaben bleiben maßgeblich.
Quellen & Vertiefung
- Battery University – Charging Nickel-cadmium
- Battery University – Charging Nickel-metal-hydride
- Battery University – Charging Lithium-ion
Die technischen Werte sind als Orientierung erklärt. Für konkrete Akkus, Regler und Bauteile gelten immer die Herstellerangaben.